Charakter der Ramelsloher

Ramelsloher werden allgemein als zutraulich und lebhaft beschrieben, aber was bedeuten diese  Adjektive in der Praxis? Insbesondere in Hinblick auf andere Rassen. Ruhige Rassen werden als wenig ängstlich hingestellt. Dieser Theorie gilt es nachzugehen. Nach  Simultanversuchen mit Zwerglachsen, Amrocks und Rheinländern, möchte ich die Unterschiede im Charakter und eine außergewöhnliche Eigenschaft der Ramelsloher darlegen.
Nach Kunstbrut und dem Schlupf der Küken eine Prägung auf den Menschen zu bewerkstelligen, erscheint relativ simpel, aber wider Erwarten zeigen sich schon hier die ersten Unterschiede. Ramelsloher lassen sich ohne Protest in die Hand nehmen. Kennen keine Scheu und lassen sich gerne streicheln. Selbst wenn versucht wird,  andere Rassen durch häufigeres Anfassen an diese Art Kontakt zu gewöhnen, tritt bei ihnen kein Wohlgefallen ein. Ramelsloher suchen den Handkontakt und fühlen sich beim Streicheln und Kraulen geborgen.
Von einer Brut der Ramelsloher neigen circa 60-70% zu extremer Zutraulichkeit, die in Aufdringlichkeit enden kann. Das Geschlecht der Tiere ist dem Züchter meist erst nach 3 Wochen bekannt, aber werden die Küken gekennzeichnet, fallen die männlichen Tiere bei Ramelslohern bei einer Retrospektive gerade im Punkte gesteigerter Zutraulichkeit auf. Bedauerlicherweise hat sich nicht bewährt, die männlichen Tiere durch Hinwendung zu bevorzugen.

Nach Betrachten der letzten Zeilen mag der Leser denken, warum ein Nutztier überhaupt zahm sein muss. Natürlich - es muss nicht, aber die Vorteile eines zahmen Huhnes überwiegen. So kann insbesondere Kindern und Besuchern ein Tier nahe gebracht werden, zu dem in der heutigen Bevölkerung nur eine anonyme Beziehung besteht. Außerdem macht es einfach Freude ein flauschiges Huhn mit seiner, durch die höhere Körpertemperatur zum Menschen, wohligen Ausstrahlung, im Arm zu haben.
Ramelsloher sind ambivalente Tiere. Sie sind sehr scheu, ständig auf der Hut und sehr kritisch. Selbst dem Halter gelingt es nicht immer, sie von seiner Ungefährlichkeit zu überzeugen, sie prüfen genau wer da ist, bevor sie sich nähern.

In ländlichen Haltungen überleben sie einem Jagddruck durch Wildvögel durch ihre Skepsis, statistisch gesehen, im Vergleich zu anderen Rassen überraschend gut. Ramelsloher sind für die Gattung der Hühner überdurchschnittlich begabt. Sie lernen schnell, bleiben dabei aber immer vorsichtig. Sie sind bewegungsaktiv,- eignen sich daher nicht für Volierenhaltung.

Es sind typische Landhühner mit einer naturgegebenen, außergewöhnlichen Prägung zum Menschen.

Einfach Individualisten, wahrscheinlich genau wie die Mehrzahl der Halter dieser Rasse.

Thomas Jensen
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